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Beziehungen

StĂ€ndiges zusammen sein hört sich im ersten Moment schön an, kann aber auch schnell zu Stress, Streit und Beziehungsschwierigkeiten fĂŒhren. Wie die Corona-Krise Beziehungen beeinflusst.

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Beziehungen wÀhrend Corona: Probleme und Lösungen

Was macht Corona mit unseren Beziehungen? So wie es aussieht, sehr viel - unabhĂ€ngig davon, ob man eine Fernbeziehung fĂŒhrt, in derselben Stadt wohnt, eine gemeinsame Wohnung teilt oder verheiratet ist. Die gemeinsam oder aber getrennt verbrachte Isolation stellt Paare vor viele Herausforderungen und kann auch langjĂ€hrige Ehen in eine Krise stĂŒrzen. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick, wie du deine Beziehungsprobleme wĂ€hrend der Corona-Zeit lösen kannst.

Die Corona-Krise als Belastungstest

Die meisten Paare verbringen gerade viel mehr Zeit miteinander als sonst und deutlich weniger Zeit mit anderen Menschen und BeschĂ€ftigungen, da diese durch die Kontakt BeschrĂ€nkungen wegfallen. Das kann sowohl fĂŒr junge Paare, die sich noch nicht so gut kennen, als auch fĂŒr langjĂ€hrige Partnerschaften, die einen eingespielten Alltag haben, eine Art Krisen-Test sein. Durch die fehlenden Ablenkungen siehst du dich auf einmal deutlicher mit den GefĂŒhlen, BedĂŒrfnissen und Konflikten in der Beziehung konfrontiert. Wegschauen geht nicht und genau wegen dieser IntensitĂ€t bietet die jetzige Zeit eine große Chance: Wenn Dinge zutage treten, die vorher im Verborgenen lagen oder jetzt neu entstehen, können sie angeschaut und bearbeitet werden. Deine Beziehung kann an diesen Konflikten wachsen, denn du und dein*e Partner*in werdet euch jetzt zwangslĂ€ufig gegenseitig kennenlernen. Wenn ihr lernt, gut und ehrlich zu kommunizieren, schwierige GefĂŒhle auszuhalten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, kann daraus eine tiefe Verbundenheit erwachsen. Auch fĂŒr eingespielte Paare bietet diese Ausnahmesituation die Möglichkeit, sich nochmal neu kennenzulernen und die Beziehung neu auszuhandeln.

MissverstÀndnisse im Corona-Alltag

Der gemeinsame Alltag ist eine neue Situation, die viele MissverstĂ€ndnisse zwischen Partner*innen mit sich bringen kann: Die Psychologin Vera Matt beschreibt dazu das Beispiel, dass die eine Partnerin, z.B. Julia, gerade hochkonzentriert am Laptop in der KĂŒche sitzt, als der andere Partner, z.B. Leon sie fragt, ob sie eine Tasse Tee haben will. Julia reagiert gereizt, weil sie sich in ihrer Konzentration gestört fĂŒhlt, dabei hat Leon es eigentlich nur gut gemeint und fĂŒhlt sich jetzt verletzt. So kommt es zu einem Streit.
In diesem Beispiel handelt es sich um ein klassisches MissverstĂ€ndnis: Leon konnte von außen nicht sehen, wie konzentriert Julia arbeitet. Denn normalerweise ist sie ansprechbar, wenn sie in der KĂŒche sitzt. Seit der Corona-Krise muss sie allerdings von zuhause aus arbeiten und hat aufgrund der kleinen Wohnung kein eigenes Arbeitszimmer. Julia wiederum freut sich normalerweise sehr ĂŒber Leons Aufmerksamkeit, nur diesmal war sie in ihrem Workflow und wollte nicht gestört werden. Leon hat Julia nicht absichtlich gestört und Julia hĂ€tte Leon unter normalen UmstĂ€nden nicht zurĂŒckgewiesen. Was also tun, damit solche Situationen nicht in Streit ausbrechen?

Streit und Kommunikation lernen

ZunĂ€chst ist es wichtig, dass du Streit nicht grundsĂ€tzlich als etwas Negatives betrachtest. Denn Streit ist oft unvermeidbar und kann dabei helfen, dass Konflikte zutage treten, an denen man dann gemeinsam arbeiten kann. Damit Streitigkeiten jedoch produktiv sind und nicht in gegenseitigen Verletzungen enden, ist es sehr wichtig, dass man eine gute Kommunikation findet. Im Beispiel von Julia und Leon hieße das, dass Julia Leon mitteilt, dass sie gerade arbeitet und konzentriert ist, dass sie zwar merkt, dass er ihr etwas Gutes tun will, dass sie sich davon aber gerade abgelenkt fĂŒhlt und eher ihre Ruhe braucht. Leon und Julia können sich außerdem vorher absprechen, wann sie sich bewusst Zeit zu zweit nehmen, sodass Julia Leon versichern kann, dass sie sich freut, spĂ€ter am Abend mit ihm Zeit zu verbringen und dass sie dann wieder ganz fĂŒr ihn da ist. Kommunikation ist grundlegend fĂŒr gut funktionierende Beziehungen und gemeinsam mit deinemr Partnerin kannst du sie lernen. Folgendes solltet ihr dabei beachten:

Es kann natĂŒrlich trotzdem passieren, dass der Streit mal laut wird und die GefĂŒhle ĂŒberkochen. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn durch die Reibung entsteht auch WĂ€rme und Situationen können durch guten Streit verbessert werden, indem neue Absprachen getroffen werden. Das gilt ĂŒbrigens nicht nur fĂŒr Liebesbeziehungen, sondern auch fĂŒr die Kommunikation mit Mitbewohner*innen oder in der Familie.

NĂ€he und Distanz ausbalancieren

Beziehungen stehen auch ohne Home-Office und Corona-Krise oft vor der Herausforderung, eine gute Balance aus NĂ€he und Distanz zu finden. Es gehört zu den schönsten Momenten einer Beziehung, wenn man sich gegenseitig ganz nah ist. Zu viel NĂ€he kann aber auch dazu fĂŒhren, dass man sich eingeengt fĂŒhlt und eigene Interessen aus dem Auge verliert. Ebenso verhĂ€lt es sich mit der Distanz. Es kann wunderschön sein, endlich mal wieder Zeit fĂŒr sich und die eigenen Interessen und Freunde zu finden. Vielleicht fĂ€ngt man sogar an, den oder die Partner*in wieder mehr zu vermissen und freut sich umso mehr auf das nĂ€chste Wiedersehen. Bei zu viel Distanz kann es jedoch auch passieren, dass man sich zunehmend alleine oder nicht ausreichend gesehen und versorgt fĂŒhlt.
Jeder Mensch braucht seine eigene Autonomie, aber auch Bindung und Sicherheit. Wie stark die BedĂŒrfnisse nach dem einen oder anderen ausgeprĂ€gt sind, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. In der jetzigen Corona-Situation können diese BedĂŒrfnisse in deiner Beziehung sichtbarer werden, da du und dein*e Partner*in auf einmal viel mehr Zeit miteinander verbringt als sonst. Umso wichtiger wird es daher, dass ihr als Paar gemeinsam eine Balance findet, sodass eurer beider BedĂŒrfnisse nach NĂ€he/Bindung sowie nach Distanz/Autonomie erfĂŒllt werden. Tauscht euch aus, wie viel NĂ€he und Freiheit ihr euch wĂŒnscht, und ĂŒberlegt gemeinsam, wie ihr diese BedĂŒrfnisse aufeinander abstimmen könnt.

Strukturen und FreirÀume schaffen

Feste Tagesstrukturen und die Trennung von verschiedenen Lebensbereichen (Freizeit, Arbeit, Zeit zu zweit) können dabei helfen, NĂ€he und Distanz auszubalancieren. Wenn du dir feste Zeiten vornimmst, in denen du dich deiner Arbeit, deinen Freunden oder dir selbst widmest, stellst du sicher, dass du deine Autonomie-BedĂŒrfnisse befriedigst. In der Zeit mit dir selbst entscheidest nur du, was du jetzt tun möchtest. Entspannst du z.B. eher bei Sport oder mit einem guten Buch?
Feste Verabredungen mit deinem Partner oder deiner Partnerin geben euch beiden Sicherheit und Zeit, einander nah zu sein. Im besten Falle fĂŒhrt sogar die allein verbrachte Zeit dazu, dass ihr euch bei euren Verabredungen wieder aufmerksamer einander zuwenden könnt. Wenn ihr euch erzĂ€hlt, welche Themen euch heute bewegt haben und welche Sorgen euch vielleicht belasten, könnt ihr Geborgenheit und Zuspruch beieinander finden. Wie wĂ€re es außerdem mit einem Ausflug am Wochenende oder einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant? Hier könnt ihr ganz kreativ werden und eure Zeit zu zweit so gestalten, wie sie euch am besten gefĂ€llt.

VerstÀndnis und Team-Work aufbauen

Die derzeitige Situation ist fĂŒr uns alle neu und oft extrem belastend. Vielleicht steht ihr gerade sehr unter Stress, weil ihr euch sowohl um eure Arbeit als auch um eure Kinder zuhause kĂŒmmern mĂŒsst. Vielleicht betreffen euch auch finanzielle oder zukunftsbezogene Sorgen. Diese Belastungen sind nicht zu unterschĂ€tzen, denn sie fordern extrem viel Energie von uns. Das kann dazu fĂŒhren, dass du oder dein*e Partner*in an anderer Stelle weniger Energie und Ressourcen zur VerfĂŒgung habt als sonst. Es ist daher umso entscheidender, dass ihr VerstĂ€ndnis fĂŒreinander entwickelt. Wenn ihr euch immer wieder ins GedĂ€chtnis ruft, dass die derzeitige Situation mit einem unterschwelligen Dauerstress verknĂŒpft ist, hilft euch das dabei, miteinander in Verbindung zu treten.
Um VerstĂ€ndnis aufzubauen, ist es wichtig, dass ihr gut miteinander kommuniziert. Teilt euch mit, wie es euch geht, welche Anforderungen von außen und von eurem Innern an euch gestellt werden, was ihr euch wĂŒnscht und was ihr braucht, was ihr gerade geben könnt und auch was vielleicht gerade nicht möglich ist. Betrachtet euch gegenseitig als Team, das sich unterstĂŒtzt und den RĂŒcken stĂ€rkt. Vielleicht gibt es Aufgaben, die ihr untereinander aufteilen oder an den oder die andere*n abgeben könnt? Vielleicht schaffst du es gerade einfach nicht mehr, abends noch die WĂ€sche zu waschen, aber dein*e Partner*in hat noch ein Zeitfenster dafĂŒr frei? Vielleicht kann dein*e Partner*in heute vor lauter Erschöpfung nicht mehr den Film mit dir gucken, den du unbedingt sehen willst, aber ihr verabredet euch stattdessen zum Filmabend am Wochenende?
Wenn ihr in eurer Beziehung als Team agiert, wird euch das eine ganz neue Form von Sicherheit und Zufriedenheit verleihen. Macht euch bewusst, dass das Tolle an einer Partnerschaft ist, dass keine*r von euch alles alleine schaffen muss. Diese Zeit könnt ihr gemeinsam bewÀltigen und gemeinsam seid ihr umso stÀrker!

Austausch mit Gleichgesinnten

Eine sehr gute Möglichkeit, dich selbst zu entlasten, ist mit Menschen ĂŒber deine GefĂŒhle und Sorgen zu sprechen, die dich verstehen und vielleicht Ă€hnliche Situationen kennen. Das können gute Freund*innen sein, geht aber auch in themenspezifischen Online-Foren, z.B. hier:

Außerdem kannst du Teil einer Beziehungs- oder Corona-Selbsthilfegruppe von Likminded werden. In Gruppen von 3 bis 5 Personen kannst du dich mit Gleichgesinnten unter Moderation einer Psychologin austauschen und Partnerschaftsprobleme besprechen.

Professionelle Hilfe

Wenn du dich sehr hilflos fĂŒhlst und gar nicht mehr weiter weißt, ist es vielleicht an der Zeit, dir professionelle Hilfe zu suchen. Das kannst du fĂŒr dich alleine machen oder aber gemeinsam mit deinem Partner in Form eines Paar-Coachings, z.B. hier:

https://www.lebensidealisten.de/https://die-liebeskuemmerer.de/unser-angebot/beziehungs-coaching/
Wenn du gezielt nach professionellen Paartherapeut*innen suchst, können dir diese Datenbanken weiterhelfen: https://www.deutschepsychotherapeutenvereinigung.de/nc/patienten/psychotherapeutensuche
Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, ist möglicherweise eine ambulante Psychotherapie jetzt das Richtige fĂŒr dich. Eine Beschreibung der verschiedenen Verfahren, weitere Informationen zur Therapeutensuche sowie eine Telefon-Beratung findest du hier:https://www.psychotherapiesuche.de/pid/therapie

Hilfe bei hÀuslicher Gewalt

Wenn du selbst Opfer von hÀuslicher Gewalt geworden bist oder diese beobachtet hast, kannst du dich an folgende Anlaufstellen wenden:
Hilfetelefon hÀusliche Gewalt: 08000 116 016 (24h erreichbar)

https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon.html
Weisser Ring: 116 006 (7h-22h erreichbar)

https://weisser-ring.de
Hilfe vor Ort: https://www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html
Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530
Hilfetelefon Schwangere in Not: 0800 40 40 020
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111

Quellen:


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