Schlechte Laune durch Corona: Was hilft die schlechte Laune loszuwerden?


Schlechte Laune wÀhrend der Corona-Zeit

Mal schlecht gelaunt, mĂŒrrisch oder traurig zu sein kennt jeder. Schließlich kann man auch nicht 24/7 mit einem LĂ€cheln auf den Lippen durch das Leben laufen. In manchen Momenten kann es sogar sehr schön sein, sich Raum fĂŒr die eigene Trauer zu nehmen, sich im eigenen Bett gemĂŒtlich zu verkriechen und einfach mal zu entspannen. Sich immer wieder solche Momente zu schaffen, kann sogar sehr gesund und reinigend fĂŒr das Seelenleben sein.

Wenn man sich keinen Raum fĂŒr seine GefĂŒhle nimmt, kann es passieren, dass man immer öfter schlecht gelaunt oder mĂŒrrisch ist, obwohl scheinbar kein Grund dafĂŒr vorliegt.

Gerade zu Zeiten von Corona leiden viele Menschen öfter als sonst unter einer gedrĂŒckten Stimmung und schlechter Laune - oft ohne dass sie sich erklĂ€ren können, woher genau das kommt und warum sie so fĂŒhlen. Man wacht auf, startet in den Tag oder sitzt vielleicht gerade beim Essen und wie aus dem Nichts spĂŒrt man Genervtheit oder Wut in sich aufsteigen – vielleicht kennst du das auch?

Diesen Zustand, stÀndig schlecht gelaunt und genervt zu sein, kennen momentan sehr viele Menschen.

GefĂŒhl, eingesperrt zu sein

Die aktuelle gesellschaftliche Situation bringt es mit sich, dass die meisten Menschen vielen EinschrĂ€nkungen in ihrem beruflichen und privaten Alltag unterworfen sind. Das bedeutet, viele Dinge, die uns sonst Spaß machen und aufheitern – wie z.B. sich mit Freunden in ein CafĂ© setzen oder ins Kino gehen – sind zurzeit nicht möglich. Auch dass viele Menschen aufgrund der Kontaktsperre das GefĂŒhl empfinden, in ihren eigenen vier WĂ€nden eingesperrt zu sein, kann an den Nerven zerren und schlechte Laune verursachen. Hinzu kommt, dass bei vielen der alltĂ€gliche Tagesablauf gestört ist und sie sich in ihrer Autonomie eingeschrĂ€nkt fĂŒhlen, weil sie z.B. nicht selbst darĂŒber entscheiden können, ob sie zur Arbeit gehen oder nicht.

Allgemeine Ursachen schlechter Laune

Auch andere Aspekte können schlechte Laune verursachen oder verstĂ€rken, wie beispielsweise fehlende sportliche AktivitĂ€t und eine schlechte ErnĂ€hrung. Gleichzeitig können auch die langen Wintermonate und die damit einhergehenden kĂŒrzeren Tage auf das GemĂŒt schlagen. Belastende Lebensereignisse, Über- oder Unterforderung, sowie Unzufriedenheit mit der momentanen Lebens- oder Arbeitssituation können sich in schlechter Laune wiederspiegeln.

Stress

Stress kann sich negativ auf deine mentale Gesundheit auswirken, da Stress von der Psyche als Bedrohung wahrgenommen wird, weshalb Stresshormone ausgeschĂŒttet werden. Dadurch können auch unter anderem die Verdauungsfunktion eingeschrĂ€nkt und die Durchblutung und die Herzschlagrate steigen, was dazu fĂŒhren kann, dass unsere Atmung unregelmĂ€ĂŸig wird und wir genervt und angespannt werden.

Hormonelle Faktoren

Auch andere körperliche Prozesse beeinflussen unsere Laune. Beispielsweise können hormonelle Schwankungen das alltĂ€gliche Wohlbefinden beeinflussen. Gerade (und das richtet sich jetzt vor allem an die weiblichen Leserinnen) kurz vor der Periode spĂŒren viele Frauen, dass sie angespannter sind, schneller aus der Haut fahren oder die Stimmung umschlagen kann, ohne das ein erkennbarer Grund dafĂŒr vorliegt. Vielleicht kennst du es selbst, dass du zu diesen Zeiten scheinbar grundlos schlecht gelaunt bist und auch deine Mitmenschen manchmal in Mitleidenschaft gezogen werden. Plötzlich werden die Liebsten angefahren, weil sie die falschen Gurken eingekauft haben oder mit TrĂ€nen ĂŒberhĂ€uft, weil eine Tasse aus Versehen zu Bruch gegangen ist. Auch hormonelle Umstellungen durch z.B. die Einnahme oder das Absetzen der Pille könnte eine Ursache der schlechten Stimmung sein. Viele Frauen berichten z.B., dass sie sich nach der Einnahme der Pille energieloser fĂŒhlen und ĂŒber eine schlechtere Selbstbeherrschung verfĂŒgen.

Tipps gegen schlechte Laune generell

AktivitÀten und Bewegung

Aber was hilft gegen schlechte Laune? In Momenten, wo die Stimmung schnell kippt und man sich in einem emotionalen Tief befindet, kann es hilfreich sein, kleine, einfache sportliche AktivitĂ€ten zu unternehmen, die dich aufheitern und dir Spaß machen. Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil man sich in solchen Momenten vielleicht lieber gerne zurĂŒckziehen und allein sein möchte. Aber gegen schlechte Laune kann es viel besser helfen, diesen Impuls zu ĂŒberwinden und sich stattdessen an die frische Luft zu begeben. Vor allem regelmĂ€ĂŸiger Sport ist ein bewĂ€hrtes Mittel gegen schlechte Laune. Falls du dafĂŒr aber nicht aus der Wohnung raus gehen möchtest, lassen sich auch diverse video-basierte Fitnessangebote im Internet (z.B. bei YouTube) finden, die motivieren können.

Stressoren reduzieren

Es gibt vielfĂ€ltige GrĂŒnde, warum wir Stress empfinden. Um Stress zu verringern, kann es hilfreich sein, alle Dinge (auch Stressoren genannt) aufzulisten, die bei dir Stress auslösen können. Also dir eine Liste mit Dingen zu erstellen, die dir schlechte Laune machen und dich nerven. Wenn du dir so einen Überblick gemacht hast, lassen sich leichter Stressoren erkennen, die du aus deinem Leben streichen kannst. Meistens ist das nicht so leicht möglich, aber zumindest kannst du sie verĂ€ndern, sodass sie weniger Stress auslösen.

Gönn dir etwas

Vielleicht denkst du, dass du dir nur als Belohnung etwas gönnen darfst, aber es kann auch sinnvoll sein, sich etwas Gutes zu tun, wenn man schlechte Laune vertreiben möchte oder auch, um schlechter Laune vorzubeugen. Du könntest dir, wenn du das jetzt liest, fĂŒnf Dinge ĂŒberlegen, um dich zu verwöhnen - sei es ein heißes Schaumbad, sich ein neues Buch zu kaufen, ein Sonnenbad auf dem Balkon oder im Park nehmen, ein besonders leckeres und aufwendiges Gericht kochen – und diese in nĂ€chster Zeit umsetzen. Hilfreich kann sein, dir einen ganz konkreten Plan zu machen, an welchem Tag der Woche und zu welcher Uhrzeit du sie unternimmst. Denn auch schon die Planung spaßiger AktivitĂ€ten alleine macht Spaß. Und außerdem kann ein fester Plan dir dabei helfen, die vorgenommene AktivitĂ€t auch wirklich umzusetzen.

Speziell ein paar Tipps gegen schlechte Laune wÀhrend Corona

Nutze die Zeit Zuhause

Auch wenn wĂ€hrend der aktuellen Corona-Krise die Möglichkeiten fĂŒr AktivitĂ€ten begrenzt sind, lĂ€sst sich die momentane Zeit Zuhause trotzdem gut nutzen. Vielleicht gibt es etwas, was du in deinem bisherigen Leben aufgeschoben hast? Hast du dir möglicherweise schon seit lĂ€ngerer Zeit gewĂŒnscht, eine Novelle zu schreiben? Eine (Online-)Fortbildung zu machen? Mal einen Comic zu zeichnen? Oder Gitarre spielen zu lernen? Die Zeit Zuhause lĂ€sst sich gut dafĂŒr nutzen, in sich rein zu lauschen, ob es aufgeschobene WĂŒnsche gibt, die sich jetzt realisieren lassen. Sich ein (spaßiges) Ziel zu setzen und fokussiert daran zu arbeiten, gibt einem das GefĂŒhl, etwas Sinnvolles zu tun und wirkt wunderbar als Mittel gegen schlechte Laune.

Online Kontakt halten

In Zeiten von Isolation und Einsamkeit ist es umso wichtiger mit Freunden und Familie im Kontakt zu bleiben. Auch wenn zurzeit die persönlichen Kontakte eingeschrĂ€nkt sind, so lassen sich im Zeitalter digitaler Medien doch viele Wege finden, um weiterhin mit seinen Freunden – z.B. durch Videokonferenzen, Telefonate oder per Chat – Kontakt zu halten. Es ist auch möglich, dass man mit manchen Menschen regelmĂ€ĂŸige Zeitpunkte vereinbart, um zu telefonieren oder sich (mit 1,5 Meter Abstand) zu treffen. Solche Routinen können mieser Laune vorbeugen und dir auch zeigen, dass du nicht alleine bist.

Tagesstruktur schaffen

Sich generell eine Routine ĂŒber den Tag zu schaffen, kann ein ausgezeichnetes Mittel gegen schlechte Laune sein. Auch wenn der Alltag bei vielen Menschen im Moment alles andere als normal ablĂ€uft, ist es möglich, sich selbst einen routinierten Tagesrhythmus zu schaffen – also jeden Tag zur selben Zeit aufzustehen oder ins Bett zu gehen, zu essen, zu arbeiten. Das hilft ruhiger und ausgeglichener zu sein und beugt Unmut vor.

Online-Parties

FĂŒr die PartywĂŒtigen und Abenteuerlustigen muss auch das Feiern zu Zeiten von Corona nicht aufhören. Die Berliner Clubs versorgen jeden der möchte beispielsweise regelmĂ€ĂŸig mit Live-Streams. Hier kann man zu den Soundtracks von verschiedenen DJs tanzen. Und wenn dir der Musikstil nicht gefĂ€llt, kann man auch den Live-Stream wechseln– Clubbing in der eigenen Wohnung.

Musik – Balsam fĂŒr die Seele

Manchmal können auch einfach schon kleine Aktionen ausreichen, um die Stimmung aufzuhellen. Bei manchen Liedern, die man hört, muss man einfach immer lĂ€cheln - weil sie so schön absurde Texte haben oder einfach ĂŒber eine Melodie oder einen Beat verfĂŒgen, bei dem man nicht anders kann, als das Tanzbein zu schwingen. In dem Sinne ĂŒberlege dir doch alle Lieder, die dir gute Laune machen, um so eine GuteLaune-Playlist zu erstellen.

Hilfsangebote zur Psychischen UnterstĂŒtzung

UnterstĂŒtzung von außen

Dass man auf belastende Situationen, wie der Corona-Krise, mit schlechter Laune reagiert ist vollkommen normal. Die vielen EinschrĂ€nkungen und die Ungewissheit, wann alles wieder vorbei ist, sind belastend und zerren an den Nerven. Wenn du aber das GefĂŒhl hast, dauerhaft genervt oder wĂŒtend zu sein und deine schlechte Laune anhĂ€lt, kann es auch helfen, sich mit anderen Menschen darĂŒber auszutauschen.

Wenn du nicht weißt, mit wem du in der Familie oder Bekanntenkreis reden kannst, dann kannst du dir auch von außen UnterstĂŒtzung holen.

Manchmal kann es nĂ€mlich sehr hilfreich sein, mit jemanden außerhalb des Bekanntenkreises ĂŒber die eigenen Probleme wĂ€hrend der Corona-Krise zu sprechen. UnterstĂŒtzung findest du beispielsweise beim Corona-Telefon des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (0800 777 22 44) oder bei der Initiative „Stark durch die Krise“ (0800 000 33 45). Beides ist kostenlos und anonym. Junge Menschen können sich auch an die E-Mail-Beratungen [u25] und Jugendnotmail wenden, um mit ausgebildeten Beratern (anonym und kostenlos) ĂŒber Probleme und Krisen zu chatten.

Austausch mit Gleichgesinnten

Es besteht auch die Möglichkeit, sich den Austausch mit Menschen zu suchen, denen es Ă€hnlich geht. Oft schlecht gelaunt und niedergeschlagen zu sein kann manchmal dazu fĂŒhren, dass man sich nicht traut, mit Freunden oder Familie darĂŒber zu sprechen. Das wiederum kann einem das GefĂŒhl vermitteln, man sei mit seiner Traurigkeit und schlechter Stimmung alleine und andere wĂŒrden sie nicht verstehen können. Es besteht die Möglichkeit, sich Selbsthilfegruppen zu suchen, wo man auf Menschen trifft, die sich gerade mit Ă€hnlichen Themen beschĂ€ftigen und verstehen können, wie es dir gerade geht. Beispielsweise kann man sich ĂŒber bestehende Selbsthilfegruppen in Berlin bei der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle sekis informieren, die traditionell zwar von Angesicht zu Angesicht, zurzeit aber auch oftmals online oder telefonisch stattfinden und meistens kostenlos sind. https://www.sekis-berlin.de/

Auch bei Likeminded teilen Menschen gemeinsam ihre Sorgen und Ängste in der Corona-Krise und helfen sich gegenseitig, einen besseren Umgang damit zu finden. Auch wenn es dir gerade aus anderen GrĂŒnden nicht gut geht – du das GefĂŒhl hast, du bist nicht gut genug und hegst Selbstzweifel oder hast gerade eine schlimme Trennung hinter dir – in regelmĂ€ĂŸigen Gruppentelefonaten mit 3-5 Leuten kannst du dich mit anderen Gleichgesinnten anonym ĂŒber deine GefĂŒhle austauschen. Begleitet werden diese Telefonate von Psychologen, die diesen Prozess unterstĂŒtzen.

StÀndige schlechte Laune - Wann zur Therapie

Wenn du spĂŒrst, dass du nur noch schlecht gelaunt bist, kaum noch Freude empfinden kannst, dich ohne Hoffnung fĂŒhlst und permanent erschöpft bist, solltest du dies ernst nehmen. Das könnten die ersten Anzeichen von einer depressiven Episode sein. Viele Menschen sind wegen ihrer Symptome beschĂ€mt und suchen deswegen keine Hilfe auf. Dies ist aber nichts, wofĂŒr man sich schĂ€men muss. Du bist nicht allein! Vor allem, wenn du selbst oder die Menschen um dich herum stark darunter leiden, ist es wichtig, dass du dir professionelle therapeutische Hilfe suchst.

Trotz der bundesweiten Kontaktsperre ist es weiterhin möglich, eine Therapie aufzusuchen. Auf der jeweiligen Website der Psychotherapeutenkammern der BundeslÀnder kannst du beispielsweise gezielt und schnell Therapeuten in deiner NÀhe finden: https://www.therapie.de/psyche/info/ratgeber/links/kammern/psychotherapeutenkammern/ Deine Fragen rund um das Thema Depression kannst du auch zu bestimmten Zeiten bei Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellen. Auch können dir hier Informationen zu Anlaufstellen im Versorgungssystem gegeben werden. Erreichen kannst du sie unter der Nummer: 0800 33 44 533

Sich mit anderen Menschen auszutauschen, die gerade Ähnliches durchmachen, kann dir auch schon helfen, einen besseren Umgang mit der Depression zu finden. HierfĂŒr gibt es verschiedene Internetforen, die von Menschen jeden Alters genutzt werden: z.B. https://www.diskussionsforum-depression.de/forum-depression/index.php

Wenn du einen solchen Austausch lieber persönlich bzw. zurzeit telefonisch oder per Video-Telefonat machen möchtest, gibt es auch verschiedene Selbsthilfegruppen, die sich mit den vielen Fragen zum Thema Depression auseinandersetzen. Eine deutschlandweite Übersicht ĂŒber Depressionsgruppen kannst du z.B. auf der Seite der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Bipolare Störungen e.V. finden: https://dgbs.de/selbsthilfe/selbsthilfegruppen

Wenn du das GefĂŒhl hast, dich in einer akuten psychischen Krise zu befinden, kannst du die Telefonseelsorge zu jeder Zeit unter den Telefonnummern 0800 1110111 oder 0800 1110222 erreichen. Hier sind Menschen rund um die Uhr fĂŒr dich da sind und beraten dich anonym und kostenlos.

Über Pauline Stockmann

Hi! Ich bin Pauline. Ich bin die leitende Psychologin und Mentorin bei Likeminded. Ich habe mich schon wĂ€hrend meines Psychologie Studiums in Deutschland und England auf die Digitalisierung von Psychologie spezialisiert. Nach meinem Studium habe ich mehrere Jahre in verschiedenen Kontexten psychologisch gearbeitet. Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass jeder Hilfe bekommen sollte, wenn sie gebraucht wird. Das ist einer der GrĂŒnde, warum ich fĂŒr digitale psychologische Angebote brenne.


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