Einsamkeit nach Trennung: Was tun?


Wenn du gerade eine Trennung erlebst oder erlebt hast, fragst du dich vielleicht, wie du das eigentlich alles schaffen sollst. Alles um dich herum verĂ€ndert sich plötzlich und auf einmal fehlt da ein wichtiger Mensch, der vorher fester Bestandteil deines Lebens war. Und mit ihm/ihr gehen vielleicht ein Lebensentwurf, ein Zuhause, ein gemeinsamer Alltag oder gemeinsame Freunde verloren. Der Verlust deiner festen Beziehung kann sich auf viele Lebensbereiche auswirken. Da kann es schnell sein, dass du dich ĂŒberfordert fĂŒhlst und gar nicht mehr weißt, wie das irgendwann mal wieder besser werden kann. Hinzu kommen kann die Einsamkeit, weil du dich plötzlich ganz alleine fĂŒhlst. Das ist kaum verwunderlich, denn der Mensch, mit dem du vorher so vieles aus deinem Leben geteilt hast, hinterlĂ€sst zwangslĂ€ufig eine große Leerstelle. Auf einmal verbringst du wieder viel mehr Zeit mit dir alleine und diese Umstellung kann ganz schön schwerfallen. In diesem Artikel wollen wir dir dabei helfen, deine Einsamkeit nach einer Trennung zu ĂŒberwinden.

Nimm dir Zeit

Es ist wichtig, dass du dir jetzt vor allem Zeit nimmst, um dich mit deiner neuen Situation und dir selbst besser vertraut zu machen. Sich direkt wieder in eine neue Beziehung zu stĂŒrzen oder ganz viel zu arbeiten, kann sich vorĂŒbergehend zwar gut anfĂŒhlen und vielleicht von dem Verlustschmerz ablenken. Doch wenn du dir jetzt Zeit nimmst, um die Trennung richtig zu verarbeiten, wirst du dich auf lange Sicht freier und glĂŒcklicher fĂŒhlen - und zwar auch unabhĂ€ngig davon, ob du gerade eine*n Partner*in hast oder nicht.
Das kann am Anfang ganz schön hart sein, vor allem, wenn du dich gerade sehr einsam fĂŒhlst. Und es ist absolut verstĂ€ndlich, dass du diesen Zustand gerne loswerden möchtest - nicht ohne Grund wird Liebeskummer oft mit einem kalten Entzug verglichen. Doch damit dir das gelingt, ist es wichtig, dass du die Trennung und deine GefĂŒhle zunĂ€chst akzeptierst und die schwierige Situation annimmst, in der du dich jetzt befindest. Auch wenn es schwer ist: Wenn du das schaffst, wirst du die Trennung mit der Zeit ĂŒberwinden und loslassen können. Die Situation anzunehmen bedeutet ĂŒbrigens nicht, dass du dich die ganze Zeit mit deinen GefĂŒhlen quĂ€len musst. Ganz im Gegenteil: Es ist jetzt an der Zeit, dass du dich in den Mittelpunkt stellst und dich gut um dich kĂŒmmerst.

Begreife die Trennung als Chance

Auch wenn es sich gerade nicht danach anfĂŒhlt, stellt eine Trennung eine große Chance dar. Du hast jetzt die Möglichkeit, dich selbst besser kennenzulernen und dein Leben so zu gestalten, dass es dich glĂŒcklich macht. Vorher war ein Teil deiner IdentitĂ€t vielleicht mehr mit deinem*r Partner*in oder der Beziehung verknĂŒpft. Und es ist absolut verstĂ€ndlich, wenn jetzt gerade das SchockgefĂŒhl ĂŒberwiegt, weil einiges davon weggebrochen ist. Doch da, wo etwas verschwindet, entsteht auch Raum fĂŒr Neues. Und diesen Raum kannst du jetzt nach und nach mit dir selbst fĂŒllen. Frage dich dazu, wer du eigentlich bist, was dir Freude macht und wo deine StĂ€rken und deine SchwĂ€chen liegen. Vielleicht wolltest du schon immer mal einen Abenteuer-Urlaub machen, auf den dein*e Partner*in keine Lust hatte? Oder du liebst Katzen und konntest dir bisher keine anschaffen, weil dein*e Partner*in eine Katzenhaarallergie hatte? Das sind eher einfache Beispiele, die sich auch auf grĂ¶ĂŸere Fragen, z.B. dein soziales Umfeld, deinen Wohnort oder deinen Beruf ĂŒbertragen lassen. Entwickle einen inneren Kompass fĂŒr das, was du willst und was du nicht willst. Er wird dir dabei helfen, neue PlĂ€ne zu machen und im Einklang mit dir selbst zu leben.
Viele Menschen fĂŒhlen sich nach einer Trennung sehr unsicher und ungeliebt und denken darĂŒber nach, was sie jetzt an sich Ă€ndern mĂŒssen, damit sie wieder einen Partner oder eine Partnerin finden. Diese Gedanken werden jedoch auf lange Sicht nicht wirklich helfen. Du musst dich nĂ€mlich nicht verĂ€ndern, um von anderen geliebt zu werden! Das Wichtigste ist, dass du lernst, dich selbst anzunehmen und zu lieben. Und das kannst du dann am besten, wenn du dich selbst gut kennst. Eine Trennung als Chance zu begreifen heißt also nicht, dass du jetzt perfekt werden musst, sondern dass du anfangen kannst, ganz du selbst zu sein. Je mehr du zu dir selbst findest, dich selbst liebevoll und wertschĂ€tzend behandelst, desto besser wird es dir bald gehen!

Lerne allein zu sein

Durch die Trennung verbringst du auf einmal viel mehr Zeit alleine. Vielleicht fĂŒhlst du dich dabei einsam und wĂŒnschst dir sehr, dass jetzt jemand anderes da wĂ€re. Das ist zwar absolut verstĂ€ndlich, doch so muss es nicht bleiben. Denn Alleinsein bedeutet nicht zwangslĂ€ufig Einsamkeit. Es kann zwar so aussehen, als wĂ€re das Fehlen anderer Menschen der Grund fĂŒr unsere Einsamkeit, doch oft sind es vielmehr unsere eigenen Überzeugungen und GefĂŒhle ĂŒber uns selbst quĂ€len. Wenn du also weniger einsam sein möchtest, kannst du lernen, das Alleinsein mit dir mehr zu genießen. Versuche dich selbst so zu sehen, wie du einen guten Freund oder eine gute Freundin siehst, nĂ€mlich liebevoll und wertschĂ€tzend! Bereite dir selbst schöne Momente und kleine Freuden. Vielleicht brauchst du mal wieder eine richtige Massage? Oder einen kleinen Road-Trip ĂŒbers Wochenende, um dem Alltag ein bisschen zu entkommen? Vielleicht wagst du sogar deinen ersten Kurzurlaub alleine und besuchst endlich mal den Ort, an den du schon immer mal reisen wolltest. Es mag vielleicht anfangs ungewohnt sein, diese Dinge ohne andere Menschen zu unternehmen. Doch je mehr du es versuchst, desto schneller wirst du merken, dass es sich lohnt und Spaß macht, alleine mit dir Zeit zu verbringen!

Erkenne den Wert von Freundschaften

Vielleicht ist dir gerade noch nicht danach, dich in Gesellschaft zu begeben. Das muss auch gar nicht sein. Vielleicht möchtest du gerade sogar lieber allein sein, um das Geschehene zu verarbeiten. Es kann aber auch sein, dass es dir hilft, dich bei guten Freunden auszuweinen und getröstet zu werden. Wenn du wieder bereit bist, an Unternehmungen teilzunehmen, kann dich das außerdem wieder auf andere Gedanken bringen.
Doch unabhĂ€ngig davon, ob und wie deine Freunde dir jetzt bei deiner Trennung helfen können, kann dir die Trennung zeigen, wie wertvoll Freundschaften sind. Manchmal kommt es vor, dass wir mit Beginn einer Liebesbeziehung vor allem Zeit mit unserem neuen Partner oder unserer neuen Partnerin verbringen wollen. Doch wĂ€hrend Liebesbeziehungen manchmal leider scheitern, kann uns die Verbindung, die bei tiefen Freundschaften entsteht, oft einen stabilen und langfristigen Halt bieten. Auch wenn deine Freunde deinen jetzigen Verlust nicht ersetzen können, werden sie dir dabei helfen, wieder mehr zu dir selbst zu finden. Denn Freunde sucht man sich meistens ganz automatisch so aus, dass sie gut zu einem passen. Über sie bilden wir unsere IdentitĂ€t und können uns in ihr gegenseitig bestĂ€rken. Schließlich begeistern wir uns als Freunde meistens fĂŒr dieselben Dinge, haben Ă€hnliche Ansichten ĂŒber die Welt und pflegen einen vergleichbaren Lebensstil. Freunde helfen dir dabei, du selbst zu sein und dich damit auch gut zu fĂŒhlen. Wenn du deine Freundschaften gut pflegst, machen sie dich unabhĂ€ngiger von Liebesbeziehungen und können dir im Leben viel Halt und Richtung geben.

Verwirkliche dich selbst

Mache dir Gedanken ĂŒber deine Ziele. Wo möchtest du gerne hin in deinem Leben? Vielleicht hast du deine eigenen PlĂ€ne der Beziehung manchmal sogar angepasst oder untergeordnet und kannst sie jetzt wieder neu beleben. Das kann alle möglichen Lebensbereiche betreffen, z.B. deinen Wohnort, deine Wohnung, deine berufliche Entwicklung, dein soziales Netzwerk, deine Urlaubsziele oder deine Hobbies. Doch bevor du dich jetzt in ganz viel Arbeit stĂŒrzt oder nur noch Sport machst, um dich von deinem Liebeskummer abzulenken, lass dir auch Zeit, ein GespĂŒr fĂŒr deine wahren WĂŒnsche zu entwickeln. Du hast jetzt die Chance, mit ganz viel Ruhe nochmal neu zu bestimmen, wohin es gehen soll. Fange mit kleinen Schritten an und frage dich zuerst, wie deine nĂ€chsten Tage oder Wochen aussehen könnten. Mache dir PlĂ€ne und versuche nach und nach wieder aktiver zu werden. Richte dich neu ein, probiere endlich mal diese eine Frisur aus, die du schon immer mal haben wolltest, oder lerne eine neue FĂ€higkeit, indem du einen Kurs an der Volkshochschule besuchst. Suche dir neue Aufgaben und Projekte, denn durch kleine Erfolgserlebnisse kann dein Selbstvertrauen wieder wachsen. Mit der Zeit wirst du merken, was dich erfĂŒllt und glĂŒcklich macht, sodass du dein Leben immer besser gestalten können wirst.

Austausch mit anderen Betroffenen

Wenn du dich mit deinem Liebeskummer alleine fĂŒhlst und nicht weißt, wem du dich anvertrauen sollst, kannst du auch den Austausch mit anderen Betroffenen suchen. Den Verlust einer großen Liebe verwindet man nicht von heute auf morgen und es kann helfen, mit Menschen zu reden, denen es gerade genauso geht. Vielleicht kostet es dich am Anfang etwas Überwindung, dich anderen gegenĂŒber zu öffnen, doch auf diese Weise könnt ihr euch gegenseitig helfen und merken, dass ihr mit eurer Trauer und den neuen Herausforderungen nicht alleine seid!
Dazu kannst du Liebeskummer-Foren im Internet nutzen, zum Beispiel folgende:

https://www.trennungsschmerzen.dehttps://www.psychic.de/forum/liebeskummer-trennung-scheidung-f86/

Wenn du gerne persönlich mit anderen Betroffenen sprechen möchtest, kannst du einer Liebeskummer-Gruppe bei Likeminded, bestehend aus 3-5 Personen inklusive einer Psychologin mit Moderations-Funktion, beitreten.
Wenn du gezielt nach Liebeskummer-Beratung durch Psycholog*innen und Coaches suchst, findest du sie hier:

https://die-liebeskuemmerer.de

Quellen:

Über Pauline Stockmann

Hi! Ich bin Pauline. Ich bin die leitende Psychologin und Mentorin bei Likeminded. Ich habe mich schon wĂ€hrend meines Psychologie Studiums in Deutschland und England auf die Digitalisierung von Psychologie spezialisiert. Nach meinem Studium habe ich mehrere Jahre in verschiedenen Kontexten psychologisch gearbeitet. Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass jeder Hilfe bekommen sollte, wenn sie gebraucht wird. Das ist einer der GrĂŒnde, warum ich fĂŒr digitale psychologische Angebote brenne.


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