Generalisierte Angststörung: Angst, Sorgen und Symptome

Ängste und Sorgen begleiten uns in unserem alltäglichen Leben. Sie motivieren uns an und halten uns in gewissen Situationen zurück. Doch wann werden aus Alltags-Sorgen Angststörungen um die ich mich kümmern sollte? Und wie kann ich mir am besten selber helfen?

Was ist eine generalisierte Angststörung?

Angststörungen sind verschiedene psychische Störungen, die ein übersteigertes Angstempfinden gemeinsam haben. Betroffene erfahren hierbei Angstreaktionen in eigentlich ungefährlichen Situationen - ihre psychisch oder körperlich erlebte Angst steht also nicht in einem angemessenen Verhältnis zu einer tatsächlichen Bedrohung. Gleichzeitig erleben Betroffene die Angst sehr intensiv.

Von einer generalisierten Angststörung wird gesprochen, wenn das übersteigertes Angstempfinden mindestens über einen Zeitraum von 6 Monaten auftritt und verschiedene physische und psychische Symptome vorliegen, wie beispielsweise starkes Herzklopfen, Nervosität, Schwindel, Zittern oder Schweißausbrüche.

Welche Ursachen haben unsere Ängste und Sorgen?

Ängste und Sorgen können verschiedene Ursachen haben. Faktoren, die eine generalisierte Angststörung begünstigen könnten bzw. an ihrer Entwicklung beteiligt sind, können zum Beispiel folgende sein:

  • Traumatische Kindheitserlebnisse
  • Ungünstige Erziehungsstile
  • Vergangene oder aktuell belastende Lebensereignisse
  • langanhaltende und stressreichen Belastungen
  • biologische und erbliche Faktoren
  • andere vorliegende seelische oder körperliche Erkrankungen

Häufig ruhen Faktoren, die eine generalisierte Angststörung begünstigen könnten schon länger in einer Person, bis ihre Symptome durch ein bestimmtes Ereignis (Trigger) ausgelöst werden.

Unsicherheit und Kontrollverlust: So können Krisen und Zukunftsängste uns krank machen

Viele Menschen bleiben mit ihren Ängsten allein. Krisenzeiten können selbst Menschen, die zuvor psychisch stabil und gesund waren, in Zustände der Angst, Sorge und Panik versetzen. Doch nicht nur Krisen kreieren Ängste. Nicht wenige Menschen plagen sich auch mit Zukunftsängsten.

Nehmen diese überhand können solche Sorgen und Ängste einen starken Einfluss auf den Alltag der Betroffenen und kann deren Lebensqualität einschränken.

Bei einigen Betroffenen führt die Angst beispielsweise dazu, dass sie sich öfter krankmelden. Viele versuchen auch, ihre Angst zu verbergen und ziehen sich deshalb von anderen Menschen zurück.

Darüber hinaus kann das ständige Ängstigen neben den empfundenen Symptomen auch zu Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafstörungen führen.

Ängste und Sorgen bei einer generalisierten Angststörung

Per Definition zeigen sich die Symptome einer generalisierten Angststörung den ganzen Tag und jederzeit in Form einer diffusen Angst, Panik und in Form körperlicher Beschwerden. Das bedeutet, dass Angstgefühle, Sorgen und körperliche Symptome bei einer Angststörung ständig vorhanden sind und nicht schubweise kommen, wie beispielsweise Panikattacken bei einer Panikstörung.

Neben ständigen Sorgen, Ängsten und düsteren Befürchtungen sind die körperlichen Symptome einer generalisierten Angststörung unter anderem eine starke Anspannung, Schwitzen, Zittern und mitunter Übelkeit. Ein ruhiger Schlaf ist vielen Betroffenen unmöglich und sie leiden oft unter Rastlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und einer erhöhten Reizbarkeit.

Zu einem richtigen Teufelskreis wird es, wenn die sogenannten Meta-Sorgen hinzukommen: Die Betroffenen sorgen sich über die Konsequenzen ihrer vielen Sorgen.

Wie erkenne ich die Symptome einer generalisierten Angststörung?

Eine generalisierte Angststörung kann dazu führen, dass die Betroffenen Dinge und Aufgaben aufschieben oder vermeiden – aus Angst davor, dass ihnen selber, geliebten Personen oder der ganzen Menschheit etwas Furchtbares passieren könnte.

Sie ist daher schwer von einer Depression abzugrenzen oder kann Betroffenen wie eine soziale Angststörung vorkommen.Eine generalisierte Angststörung kann auch zusätzlich zu oder in Folge einer Depression auftreten. Die Kombination von Symptomen kann ohne Behandlung oder Therapie eine extreme Belastung für Betroffene darstellen und ihren Alltag bis zur absoluten Unerträglichkeit beeinträchtigen.

Angst hat jeder einmal und Zukunftssorgen sind gerade in Krisenzeiten den meisten von uns gut bekannt. Doch wer unter einer generalisierten Angststörung leidet, der wird von seinen Ängsten über eine lange Zeit hinweg und unablässig verfolgt. Dies ist nur eines der Kriterien für die tatsächliche Diagnose einer solchen Angststörung.

Weitere wichtige Warnzeichen sind:

  • Die Unkontrollierbarkeit der Ängste und Sorgen,
  • die Beeinträchtigung des Alltags durch Ängste und Sorgen
  • das Vorliegen von mindestens drei der körperlichen Symptome (Schwitzen, Muskelverspannung im Rücken, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen …).

Eine solche Diagnose ist sehr komplex. Daher sollte sie immer von einem Experten gestellt werden. Vereinzelte Panikattacken z. B. bedeuten noch keine generalisierte Angststörung. Bevor du Dir mit einer voreiligen Eigendiagnose noch mehr Kopfzerbrechen bereitest, ist hier Wachsamkeit und Selbstreflexion gefragt. Suche Dir daher lieber rechtzeitig professionelle Hilfe und Beratung.

Ängste überwinden: Tipps

Daher gilt es, einen individuellen Umgang mit diesen Ängsten und Sorgen zu finden und diese abzubauen. Nur so kommst du seelisch unversehrt aus der Krise heraus.

Jedoch gibt es einige Selbsthilfe-Methoden, um zu lernen, erfolgreich mit Deinen Ängsten und Sorgen umzugehen. Wir stellen einige Tipps vor, wie du Dir in diesen Zeiten einen möglichst angstfreien Alltag gestalten kannst. Auch für Betroffene von (generalisierten) Angststörungen können diese nützlich sein, um chronische Ängste und Sorgen loszulassen.

Routine kreieren

Der Verlust der persönlichen Alltagsstruktur kann traumatische und lähmende Effekte auf Menschen haben. Daher ist es wichtig, sich trotz des Ausnahmezustands eine tägliche Routine und Stabilität zu erhalten.

Das heißt: Regelmäßige Schlafzeiten einhalten, sich anhand von To-Do-Listen einen Plan mit den Vorhaben für die kommende Woche erstellen, neue Rituale finden und diese regelmäßig durchführen. Das ist sehr befriedigend und gibt uns die Möglichkeit, lang aufgeschobene Dinge zu erledigen. Es hält uns davon ab, in Ängsten, Sorgen und Lethargie zu versinken.

Aktiv bleiben

Stress, Ängste und Sorgen werden durch körperliche Aktivität abgebaut. Neben gängigen Möglichkeiten wie Sportkurse, Fitnessstudios, spazieren oder wandern gibt es auch unzählige Möglichkeiten für Workouts oder Yoga-Kurse in den eigenen vier Wänden.

Vielleicht reicht es ja auch schon klein zu starten: braucht jemand aus der Nachbarschaft vielleicht Hilfe bei seinen Einkäufen? Auch solche Anlässe sind ein guter Grund, das Haus zu verlassen. Regelmäßige körperliche Betätigung, besonders an der frischen Luft, hilft außerdem dabei, einen strukturierten Alltag zu erhalten.

Nachrichtenkonsum reduzieren und filtern

Während es wichtig ist, auf dem neuesten Stand und informiert zu bleiben, kann uns zu viel Input aus den Nachrichten und sozialen Netzwerken wahnsinnig machen. Der mediale Überfluss konsumiert schrittweise unser Denken – ganz abgesehen davon, dass sich unter diesen Strom von Nachrichten und Meinungen immer wieder Fake News sowie fragwürdige Äußerungen und Prophezeiungen mischen.

Um dich davon nicht einnehmen und verunsichern zu lassen, ist es ratsam, Deinen Nachrichtenkonsum auf einen bestimmten Zeitrahmen pro Tag zu minimieren und besonders aufmerksam zu filtern, wessen Posts und Sendungen du Dir anschaust.

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Professionelle Hilfe bei Ängsten und Sorgen

Obwohl diese Tipps zur Selbsthilfe erstaunlich wirksam sein können, so können sie nicht alle Ängste und Sorgen abfangen, die uns plagen. Besonders um die Symptome einer Angststörung zu besiegen, bedarf es in vielen Fällen professioneller Unterstützung und einer Therapie.

Mut finden, Dich anderen anzuvertrauen

Ein erster Schritt, um eine generalisierte Angststörung zu überwinden oder damit umgehen zu lernen, ist immer, die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen. Das kann einiges an Überwindung kosten.

Doch die eigenen Befürchtungen und die Symptome einer Angststörung mit anderen zu teilen, hat eine wahrlich heilende Wirkung. Einerseits kann es Dir Ruhe geben, wenn du dich jemandem anvertraust. Andererseits wirst du so daran erinnert, dass auch andere Leute mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen haben, dass du dir Deine Symptome nicht einbildest und dass Ihr Euch gegenseitig unterstützen könnt.

Selbsthilfegruppen: Ein geschütztes Forum, um Ängste und Sorgen zu überwinden

Wer sich nicht den Menschen in seiner Umgebung anvertrauen kann oder will, der kann in Selbsthilfegruppen einen sicheren Hafen und eine Anlaufstelle finden. Im Gespräch mit anderen Betroffenen und Experten kannst du erfahren, was bei einer generalisierten Angststörung hilft, bekommst Hilfe zur Selbsthilfe und Perspektiven zur Therapie aufgezeigt.

Die Heilung einer Angststörung ist ein langer Prozess, den du am besten nicht allein durchlaufen solltest. Wer andauernde Symptome bei sich feststellt und sich nicht mehr selbst zu helfen weiß, der sollte nicht zögern, sich professionelle Hilfe und Unterstützung von außen zu suchen.

Du bist nicht allein: Professionelle Hilfe erhalten

In manchen Fällen reicht Selbsthilfe jedoch nicht aus. Dann ist es wichtig, dass du dir professionelle Hilfe holst.
Niemand muss oder kann allein eine generalisierte Angststörung überwinden. Angststörungen können wirksam mit Psychotherapie oder Medikamenten behandelt werden. Wichtig ist, angstauslösende Situationen nicht zu vermeiden, sondern sich ihnen zu stellen. Erster Ansprechpartner bei der Suche nach professioneller Hilfe kann zudem dein Hausarzt sein.

Vielleicht gibt es ja auch Unterstützungsmöglichkeiten durch deinen Arbeitgeber. Über deinen HR Ansprechpartner oder das Intranet findet man schnell Informationen zu solchen Angeboten. In der Regel werden die Kosten dieser sogar vom Arbeitgeber getragen.

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