Soziale Isolation und Einsamkeit durch Corona – die psychischen Folgen des Virus


Obwohl dich die Coronavirus-Erkrankung Covid-19 verschont hat: Denn du steckst wegen Corona tief in einer sozialen Isolation fest, die sich einfach schrecklich anfühlt und dir jeden Tag mehr zu schaffen macht. Dazu kommt die ganze Unsicherheit dieser Zeit. Wie geht das Leben mit oder nach dem Coronavirus weiter? Was wird aus deinem Job? Solche existenziellen Fragen belasten in sozialer Isolation zusätzlich die Gedanken und die Seele. So kann es nicht weitergehen. Du fragst dich: Wie kann ich mir bei sozialer Isolation und den Folgen helfen? Du bist jetzt zwar allein in Isolation, aber da draußen in der ganzen Welt sind noch viel mehr Menschen wie du, die gerade genauso an der sozialen Isolation oder den Auswirkungen der Corona-Einsamkeit leiden.

Kontaktverbote im Kampf gegen Corona brachten Einsamkeit und Isolation

Eigentlich zählen die letzten März-Wochen oder der April für viele Menschen zu den schönsten Momenten des Jahres. Hier beginnt der Frühling, die Natur wird wieder grün, blüht auf und die ersten warmen Sonnenstrahlen locken nach dem trüben Winter alle wieder heraus aus ihren Häusern und Wohnungen. Du triffst dich mit Freunden, ihr sitzt vor einem Café in der Sonne, quatscht und genießt einfach die gemeinsame Zeit. Doch im Frühjahr 2020 war nichts mehr wie zuvor. Anfang März breitete sich das Coronavirus rasend in Deutschland und der ganzen Welt aus. Immer mehr Menschen bekamen die Viruserkrankung Covid-19, viele mussten ins Krankenhaus, manche beatmet werden und jeden Tag starben zahlreiche Menschen an Corona. Die Politik reagierte mit drastischen Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.


Lockdown: Praktisch alles wurde geschlossen. Nur Apotheken, Supermärkte, Tankstellen oder die Post hatten noch offen. Einige Unternehmen arbeiteten noch weiter, viele schickten ihre Mitarbeiter aber auch ins Homeoffice oder meldeten Kurzarbeit an. Jeder sollte, wenn möglich, zu Hause bleiben. Wenn du als Single allein lebst, hast du in diesen Wochen praktisch jede persönliche Verbindung zu anderen Menschen, deinen Freunden oder der Familie verloren – soziale Isolation pur. Denn es gab schnell strenge Kontaktbeschränkungen. Du durftest dich draußen nur noch mit einer anderen Person aufhalten, die nicht zu deiner Familie zählte. Aber ihr musstet dabei außerdem noch auf Abstand bleiben: Social Distancing gegen Corona schuf ein weiteres Stück sozialer Isolation.


Einige wenige Menschen fühlten sich plötzlich wie im Paradies, weil sie freiwillig ihre sozialen Kontakte schon immer auf ein Minimum beschränkt hatten. Für dich und unzählige andere begann dagegen die pure Psycho-Hölle, denn die Mehrheit der Menschen sind soziale Wesen und können mit Alleinsein oder Einsamkeit überhaupt nicht umgehen – besonders nicht in dieser totalen Form sozialer Isolation durch Corona. Zählst du zu dieser Mehrheit? Welche Folgen hinterlässt die soziale Isolation dann bei dir?

Soziale Isolation und Auswirkungen auf deine Psyche

Soziale Isolation kann zwei Dinge bedeuten: Alleinsein und/oder Einsamkeit. Der Begriff des Alleinseins beschreibt immer einen realen Zustand. Hier hast du tatsächlich keinen anderen Menschen um dich herum. Einsamkeit ist dagegen ein Gefühl in dir. Es kann mit dem Alleinsein zusammenfallen, du kannst Einsamkeit aber genauso in Gesellschaft anderer Menschen empfinden, wenn dir beispielsweise in einer gemütlichen Runde voller Paare selbst eine Partnerin oder ein Partner fehlt. Zugleich fielen Einsamkeit und soziale Isolation schon vor Corona häufig zusammen. Denk zum Beispiel an die Anonymität einer Großstadt und die eines riesigen Wohnblocks, in dem jeder allein vor sich hin lebt. Fühlst du dich einsam, ist das immer mit einem Leidensdruck verbunden. Du würdest viel lieber Gesellschaft genießen, es fehlt dir aber die Möglichkeit dazu oder du bist zu schüchtern, um auf andere zuzugehen. Kommen dann noch Arbeitslosigkeit oder Krankheit hinzu, die dich noch weiter vom Leben abschneiden, verstärken sich Einsamkeit, soziale Isolation und weitere psychischen Folgen von Corona.

Die Einsamkeit durch Corona

Warst du vorher ein sozialer Mensch, fehlen dir nun deine Freunde oder die Familie. Du hast dich nie darauf vorbereitet, plötzlich vollkommen allein zu sein. Warum auch? Unter normalen Umständen war niemals damit zu rechnen, dass du eines Tages so leben musst. Du hast zwar noch immer Kommunikationsmöglichkeiten mit deinem Telefon oder Messengern und Videotelefonie, aber all das ersetzt nicht den früheren sozialen Kontakt von Angesicht zu Angesicht. Es fehlt dabei an Nähe, Natürlichkeit und Ungezwungenheit. Schnell stellt sich das negative Gefühl der Einsamkeit bei dir ein und du ziehst dich auch noch von diesen medialen Möglichkeiten zurück.

Soziale Isolation durch Corona fördert Depressionen

In sozialer Isolation sind Auswirkungen bis hin zur Entstehung seelischer Erkrankungen möglich. Die Bandbreite der Erkrankungen fällt dabei sehr groß aus und besitzt viele Facetten.

Der psychische Druck kann schließlich so groß werden, dass eine richtige Belastungsstörung entsteht. Du fühlst dich emotional immer erschöpfter, siehst keine Perspektive mehr, bleibst vielleicht nur noch im Bett liegen. Hier in diesem Bereich beginnt dann schleichend eine depressive Episode. Noch schlimmer wird es, wenn du auch vor Corona schon psychische Leiden sowie depressive Verstimmungen hattest. Soziale Isolation bei Depression wird dann schnell zum Trigger einer tiefen persönlichen Krise. Menschen mit Depressionen erleben die Isolation ähnlich wie andere, aber in allen Punkten noch viel intensiver. Entsprechend härter treffen sie Gefühle der Apathie oder Hilflosigkeit dann auch. Die Depression wächst zu Gedanken totaler Ausweglosigkeit und vollkommener Niedergeschlagenheit. In diesem Zustand nähern sich Depressionen aus sich selbst heraus und nehmen immer größere Dimensionen an, aus denen sich Betroffene allein nicht mehr befreien können. Das Wichtigste, was du niemals vergessen solltest, ist: Du bist nicht allein! Auch in Isolation gibt es professionelle Hilfe, die dir eine Stütze sein kann!

Körperliche Folgen der Isolation in Zeiten von Corona

Fehlt dir die Bewegung durch Arbeit oder Sport in der Isolation, kann sich das gleich doppelt negativ auswirken. Die mangelnden Aktivitäten können auf dein Gemüt schlagen. Normalerweise versorgen dich Bewegung oder Sport regelmäßig mit Glückshormonen wie Dopamin oder Serotonin, die dich noch Stunden danach mit Energie und positiven Gefühlen antreiben. Gleichzeitig kann dein Körper ohne Bewegung viel weniger Kalorien verbrennen. Hast du deine alten Essgewohnheiten in der sozialen Isolation durch Corona beibehalten, zeigt dir deine Waage jetzt wahrscheinlich das eine oder andere Kilo mehr an. Bei vielen ist es auch nicht bei den alten Essgewohnheiten geblieben. Sie essen allein in der Isolation mehr und häufiger und oft nicht wirklich gesunde Nahrungsmittel, sondern eher kalorienreiche Nervennahrung.

Warst du vor Corona rank und schlank, entsteht dadurch kein großes Problem und du wirst die überschüssigen Pfunde wahrscheinlich bald wieder los. Alle, die vorher schon Gewichtsprobleme hatten, tragen jetzt eventuell echtes Übergewicht herum, das Organe oder Knochen und Gelenke belastet, bestehende Krankheiten verstärkt oder neue begünstigt. Besonders das Herz-Kreislauf-System gerät hier in Gefahr. Zugleich verstärkt Übergewicht in dieser Situation Antriebslosigkeit und Passivität. In einer engen Wechselwirkung mit dem isolationsbedingten psychischen Druck wächst wieder das Risiko von Depressionen.

Alkohol oder andere Rauschmittel bieten dir übrigens keinen Ausweg. Sie lassen dich vielleicht für ein paar Momente oder Stunden die Realität vergessen oder weniger düster erscheinen, aber wenn die Wirkung nachlässt, kehrt alles Negative noch intensiver in deine Gedanken zurück. Willst du dem mit einem neuen Rausch erneut entfliehen, droht zusätzlich bald noch eine Abhängigkeit. Ebenso leiden Figur und Gesundheit unter dem Alkohol und seinen vielen Kalorien. So dreht sich der ganze Teufelskreis noch schneller.

Hilfe und Tipps für die Isolation in Zeiten von Corona

Struktur

Ein strukturierter Tag ist ein Tag, der dich beschäftigt und aktiv hält. Anstatt in den Tag hineinzuleben, behandelst du ihn wie die Tage vor Corona, wo du zur Arbeit, in die Schule oder zur Uni gegangen bist. Stell dir morgens einen Wecker und plane für jeden Tag mögliche Aktivitäten ein – zum Beispiel Aufräumen, Putzen oder einen Spaziergang. Kleinigkeiten genügen dabei, denn schließlich willst du in den nächsten Tagen auch noch etwas zu tun haben. Plane für alle Aktivitäten Zeiten ein wie bei normalen Terminen. Solche Strukturen verhindern ein Abrutschen in die Passivität. Du hast jetzt Aufgaben zu erledigen und bleibst aktiv.

Im Homeoffice

Arbeitest du gerade zu Hause, bekommen Strukturen eine noch größere Bedeutung. Denn wenn jetzt in der Isolation die Einsamkeit die Oberhand gewinnt, leidet darunter deine Arbeit gleich mit. Neben festen Arbeitszeiten verhältst du dich auch sonst im Homeoffice wie im Büro. Du gehst nicht ungeduscht oder in der alten Jogginghose an den Schreibtisch, sondern hältst die gleiche Morgenroutine wie früher ein – inklusive deines Business Outfits (Natürlich musst du dich jetzt nicht im Anzug an den Schreibtisch setzen, aber das ein oder andere schicke Kleidungsstück gibt dir eine andere Haltung). Nach Feierabend ziehst du dir dann wieder bequeme Kleidung an und genießt das gute Gefühl, an diesem Tag etwas geschafft zu haben.

Kontakt halten

Große Treffen macht das Coronavirus gerade unmöglich. Aber nutze regelmäßig die Möglichkeiten, die dir die Kontaktbeschränkungen noch lassen. Wenn Kontakt mit einer Person erlaubt ist, triff dich jeden Tag der Reihe nach kurz mit deinen Freunden oder Bekannten und Kollegen. Geh dabei ruhig aktiv auf alle zu, denn die anderen stecken möglicherweise in ähnlichen Schwierigkeiten und kämpfen wie du gegen die Einsamkeit in der Isolation. Fehlt ihnen schon der Antrieb, kannst du ihnen jetzt sogar helfen und sie zu einer gemeinsamen Aktivität ermuntern.

Nutze die Möglichkeiten

Mit deinen ganzen Messengern kannst du anderen nicht nur Nachrichten schicken. Nutze die Optionen zum Telefonieren oder für Videoanrufe und melde dich immer wieder bei Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern. Jedes Gespräch bringt dich auf andere Gedanken, lenkt dich ab und wirkt der sozialen Isolation entgegen. Vielleicht besorgt ihr euch auch Tools wie Skype, Zoom oder Microsoft Teams und startet eine Videokonferenz mit der ganzen Clique oder Familie. Dabei könnt ihr nicht nur quatschen, sondern am Wochenende auch einmal eine Online Party zusammen feiern.

Beweg dich

Wie sportlich warst du vor Corona? Dein Abo im Fitnessstudio hilft dir zwar im Moment nichts, aber stattdessen gehst du nun Laufen oder machst ein paar Übungen im Wohnzimmer. Anleitungen dafür findest du im Netz massenhaft. Da gibt es auch etwas für absolute Sportmuffel. Jetzt ist die beste Zeit, mit etwas Sport anzufangen. Schon kurze Trainings mit einfachen Übungen oder ein etwas schnellerer Spaziergang wirken Wunder für Geist und Körper.

Probier Neues aus

Zusammen kochen oder ein bisschen Yoga: Viele Menschen haben aus der Not eine Tugend gemacht und aus dem Internetanschluss eine Brücke zu anderen Menschen. Online kochen sie mit anderen, treffen sich morgens zum virtuellen Yoga, singen zusammen und machen noch viele andere Dinge. Schau einfach ins Netz und finde für dich eine passende Gemeinschaft. Lass dich überraschen, wie viele positive Gefühle dir allein dieser Online Kontakt gibt. Zugleich lernst du neue Leute kennen. Später wollt ihr euch dann eventuell treffen. Das schafft ein kleines Stück positiver Perspektive für die Zukunft und mindert zugleich wieder Folgen sozialer Isolation.

Professionelle Hilfe holen, bevor dich die soziale Isolation erdrückt

Dieser Punkt bildet den wichtigsten Tipp für dich. Er gilt besonders dann, wenn dich die soziale Isolation mit Symptomen einer Depression schon richtig tief hinab gezogen hat.

Wann ist professionelle Hilfe notwendig und wo bekommst du sie in der Isolation?

Grundsätzlich gilt: Hol dir immer Hilfe, wenn du glaubst, du schaffst es allein nicht, wieder positive Gedanken zu fassen. Dafür musst du dich niemals schämen. Welche Symptome oder psychischen Probleme exakt den Zeitpunkt für einen Hilferuf markieren, lässt sich nicht pauschal sagen. Handle immer, solange du noch das Gefühl einer gewissen Kontrolle hast. In einer plötzlichen psychischen Krise kann es sein, dass du diese Kontrolle verlierst und keine Hilfe mehr holen kannst. Ganz unverbindlich und anonym bieten Krisentelefone nicht nur in Zeiten von Corona eine gute Möglichkeit, mit Experten oder Seelsorgern schnell ein Gespräch zu führen. Schildere deine Situation und du bekommst anschließend erste Hilfe mit einer fundierten Rückmeldung, welche Schritte jetzt die besten für dich sind – zum Beispiel hier bei der Hotline des Berufsverbands der Deutschen Psychologinnen und Psychologen kostenlos unter 0800 777 22 44 jeden Tag von 8 bis 20 Uhr.

Die große Macht von Gesprächen

Vielleicht hattest du schon einmal Kontakt zu Psychologen oder Selbsthilfegruppen. Dann kennst du schon eines der wichtigsten Mittel, um mit psychischen Problemen, wie sie gerade durch die Isolation wegen Corona schnell entstehen, leichter umzugehen – oder sie am Ende sogar zu besiegen. Gespräche mit anderen Betroffenen schaffen das – aus diesen Gründen:

Das klingt gut, sagst du jetzt. Aber dann fragst du natürlich: Wie soll ich das mit dem Coronavirus und sozialer Isolation machen? Die Antwort fällt ganz einfach aus: online! Und genauso einfach funktioniert es dann auch mit Likeminded. Hier bekommst du die ganze Hilfe und Unterstützung von Gruppengesprächen mit anderen Betroffenen unter den Augen und Ohren erfahrener Coaches und Mentoren. Sprich gleich mit ihnen, erzähl von dir und deinen Sorgen. Sie zeigen dir dann Gruppen, die dir helfen. Probier diese einfach unverbindlich aus, bringt wieder mehr Licht in dein Leben und besiege die Folgen der sozialen Isolation.

Quellen:

Über Pauline Stockmann

Hi! I am Pauline. I am the lead psychologist and mentor at Likeminded. During my studies in Germany and England I specialized in the field of digitalized psychology. After my studies, I worked in several different psychological contexts. I am convinced that everyone should have the means to get help when it is needed. That is one of the reasons why I am passionate about digital psychology and everything it has to offer.


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