Was HR für eine positive Unternehmenskultur tun kann

27.11.2023

In jedem Unternehmen gibt es eine eigene Kultur. Sie lässt sich zwar nicht neu erfinden, wohl aber positiv beeinflussen. Ein:e wichtige:r Akteur:in ist hier HR. Was aber kann HR konkret für eine positive Unternehmenskultur tun?

Autor

Editorial Team

Inhalt

Warum ist Unternehmenskultur so wichtig?

Eine Unternehmenskultur entsteht, egal ob wir sie gestalten wollen oder nicht. Als Personalverantwortliche:r tust du also gut daran, dafür zu sorgen, dass sich eure Unternehmenskultur positiv auf die Menschen auswirkt. Am Ende ist sie nämlich ein wichtiger Erfolgsfaktor und kann darüber entscheiden, ob und wie leistungsfähig und -willig die Belegschaft deines Unternehmens ist. Sich nicht um sie zu kümmern, kann teuer werden.

Eine negative Unternehmenskultur kann Mitarbeitende demotivieren: zum Beispiel, wenn Informationen nicht direkt kommuniziert werden, sondern über den Flurfunk die Runde machen, wenn der Konkurrenzdruck zu groß ist oder wenn Konflikte nicht auf gesunde Art und Weise ausgetragen werden. 

Im Gegensatz dazu profitieren Mitarbeitenden in Unternehmen mit positiver Kultur von mehr Zufriedenheit, mehr Gesundheit und mehr Leistungsfähigkeit. Und das wiederum macht sie produktiver und das Unternehmen als Ganzes erfolgreicher. 

Wer ist für Unternehmenskultur verantwortlich?

Moderne Unternehmen haben verstanden, dass Unternehmenskultur kein simpler Top-down-Prozess mehr sein kann. Kultur ist etwas Lebendiges, etwas von einer Gemeinschaft Geschaffenes. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass in diesem Prozess niemand das Ruder in die Hand nehmen kann, ja sogar sollte. Die wichtigsten Akteur:innen im Bereich der Unternehmenskultur sind:

  1. Die Personalabteilung/HR
    HR-Teams setzen die personellen Ziele der Unternehmensführung um. Sie gestalten unter anderem die Employee Experience und stellen diverse Hilfsmittel zur Verfügung, damit der Rest der Organisation seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann. Da sich viele Aspekte der Unternehmenskultur direkt oder indirekt auf HR-Kennzahlen auswirken, ist die Personalabteilung in vielen Unternehmen ein:e wichtige:r Träger:in der Unternehmenskultur.
  2. Die Führungskräfte
    Führungskräfte haben den größten Einfluss auf Mitarbeitende. Sie setzen die meist von HR begonnene Employee Experience im Alltag fort und haben in Hinblick auf die Unternehmenskultur eine der wichtigsten Vorbildfunktionen. Werden die Führungskräfte ihrer Rolle gerecht, dann vertrauen ihnen ihre Mitarbeitenden am Ende auch.
  3. Die Mitarbeitenden selbst
    Sie bilden die Basis deines Unternehmens. Nur wenn die Routinen, Denkweisen und das Verhalten der Mitarbeitenden zur Unternehmens­kultur passen – und die Kultur zu ihnen –, kann eine positive Kultur entstehen.

 

Intern leistet demnach jeder und jede einen Beitrag zur Unternehmenskultur. Da sich die Kultur aber, wie gesagt, besonders stark auf die Kennzahlen der Personalabteilung – wie eNPS, Mitarbeiterzufriedenheit und Fluktuation – auswirkt, ist ihre Gestaltung und Pflege vielerorts auch bei HR verankert. Welche Rolle hat HR also und welche konkreten Maßnahmen können HR-Teams ergreifen, um die Unternehmenskultur positiv zu beeinflussen?

Die Rolle von HR

Als Verantwortliche:r für die Personalstrategie kannst du mit gezielten Maßnahmen wie Aus- und Weiterbildungen maßgeblich zu einer positiven Unternehmenskultur beitragen. Auch Programme zur Förderung der mentalen Gesundheit können die Kultur signifikant verbessern und nehmen oft in der Personalabteilung ihren Ursprung.

Die Rolle von HR in der Unternehmenskultur lässt sich grob in zwei Bereiche unterteilen:

1) Definieren, gestalten, kommunizieren und führen

Gemeinsam mit der Unternehmensführung ist deine Abteilung verantwortlich dafür, die gewünschte Unternehmenskultur zu definieren und zu gestalten. Es ist deine Aufgabe, im Alltag darauf zu achten, dass sich die Unternehmenskultur in allen Aspekten der Employee Journey widerspiegelt.

Dazu gehört auch, dass HR der Unternehmensführung als Expertenteam beratend zur Seite steht und stets ein Auge darauf hat, dass das, was von den Mitarbeitenden erwartet wird, auch zum gewünschten Verhalten passt (z. B. Überstunden vs. Work-Life-Balance). Gleichzeitig bist du als Personalverantwortliche:r gegenüber der Geschäftsführung ein wichtiges Sprachrohr für die Mitarbeitenden und ihre Bedürfnisse.

2) Fördern und festigen

Unternehmenskultur ist etwas Lebendiges, das gepflegt und gehegt werden will. Auch hier kommt HR eine bedeutende Rolle zu. Zu den Maßnahmen, die Personalverantwortliche laufend setzen können, zählen neben Workshops für neue und bestehende Talente auch Teamevents oder Auffrischungskurse für Führungskräfte. 

Eine weitere wichtige Aufgabe, die HR-Abteilungen zufällt, ist das Recruiting neuer Talente. Eine starke, positive Unternehmenskultur lebt von ihren Menschen, das heißt, dass auch die Auswahl der richtigen Talente von Bedeutung ist. Darüber hinaus gilt es, die „Neuen“ in die Unternehmenskultur einzuführen, damit sie sie langfristig mittragen. Und auch für die Mitarbeiterbindung – eine weitere Aufgabe von HR – bildet eine gute Unternehmenskultur eine solide Basis.

Eine 4-Schritte-Anleitung für HR für eine positive(re) Unternehmenskultur

Welche Maßnahmen HR-Teams ergreifen können, hängt stark von der Kultur in ihrem Unternehmen hat. Wir haben eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für dich, die dir hilft, die für dich und dein Unternehmen passenden Maßnahmen zu finden.

Schritt 1 – Der Status Quo

Bevor du beginnst, an der Unternehmenskultur zu schrauben, solltest du wissen, wo ihr aktuell steht. Um das herauszufinden, kannst du anonyme Mitarbeiterbefragungen durchführen oder in Workshops den Status Quo erarbeiten. Auch sogenannte Pulse Checks, also kurze, dafür aber sehr häufige Umfragen zu Kernthemen wie Motivation oder Wohlbefinden am Arbeitsplatz, können dir wertvolle Insights liefern. Finde heraus, was die Belegschaft gerade beschäftigt, was bereits gut läuft und wo sich Lücken auftun.

Schritt 2 – Die Ziele

Sobald du weißt, wo dein Unternehmen in Sachen Unternehmenskultur steht, kannst du beginnen, Ziele zu formulieren. Überlege dir dafür, was sich bis wann ändern sollte, und achte darauf, dass die Ergebnisse messbar sind. Zeigt deine Umfrage zum Beispiel, dass viele Mitarbeitende das Gefühl haben, nicht immer die notwendige Information über offizielle Kanäle zu erhalten, könntest dein Ziel lauten: In 6 Monaten sollen mindestens 80 Prozent der Befragten angeben, dass sie die Unternehmensinformationen, die sie im Arbeitsalltag benötigen, direkt aus offizieller Quelle erhalten.

Schritt 3 – Die Maßnahmen

Jetzt wird es konkret. Bevor du dir praktische Maßnahmen zu den zuvor definierten Zielen überlegst, empfiehlt es sich, mit Unternehmenswerten und einem Leitbild eine gute Basis zu schaffen.

1) Unternehmenswerte und -leitbild definieren

Falls dein Unternehmen noch keine Werte und kein Leitbild hat, dann ist es spätestens jetzt an der Zeit, das nachzuholen. Die Werte deines Unternehmens helfen nicht nur deiner Abteilung beim Formen und Fördern der gewünschten Kultur, sondern auch allen anderen Mitarbeitenden. Für sie sind klar kommunizierte Werte und Leitbilder eine Orientierung im Arbeitsalltag. Wie bei allen grundlegenden Dingen gilt auch hier: Am besten holst du dir Feedback von allen Seiten und lässt dich von denen leiten, um die es am Ende geht: den Mitarbeitenden. Gemeinsam geschaffene Werte tragen sich nämlich leichter.

2) Recruiting- und Onboarding-Richtlinien etablieren

Die Kultur in deinem Unternehmen kann langfristig nur Bestand haben, wenn du die dazu passenden Mitarbeitenden ins Unternehmen holst. Daher kann es helfen, für die Recruiting- und Onboarding-Prozesse klar zu definieren, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen gewünscht sind und welche nicht. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die Werte und das Leitbild nach außen zu kommunizieren und auch bei Gesprächen mit Interessent:innen die Kultur zum Thema zu machen. Spätestens nach dem Onboarding sollten Werte, Leitbild, Vision, Mission und Strategie klar sein.

3) Kommunikationskultur verbessern

Die Art, wie in deinem Unternehmen kommuniziert wird, ist ein wesentlicher Teil der Unternehmenskultur. Gehe also mit gutem Beispiel voran und kommuniziere offen, transparent und wertschätzend. Auch eine Feedbackkultur ist von großer Bedeutung. Nur so fühlen sich die Mitarbeitenden gesehen, gehört und ernst genommen, was im Gegenzug zu Vertrauen und Wohlbefinden führt. Welche Kommunikationskanäle stehen dir intern zur Verfügung? Nutze sie und motiviere auch andere, allen voran eure Führungskräfte, sie regelmäßig zu verwenden. Mit klar geregelten Feedbackprozessen und Kommunikationstrainings kannst du außerdem das Bewusstsein für eine positive Kommunikationskultur im Unternehmen verbessern.

4) Führungskompetenzen stärken

In einer Umfrage von Inc. gaben 91 Prozent der befragten Mitarbeiter:innen an, dass es ihren Führungskräften an Kommunikationskompetenz mangelt. Und laut einer Umfrage von Compensation Partner kündigten mit 45 Prozent die meisten Befragten ihren letzten Job, weil ihnen die Wertschätzung von oben fehlte. Führungskräfte zu schulen, ist demnach in den meisten Organisationen eine gute Idee – und einer positiven Unternehmenskultur sehr zuträglich. Solche Schulungen sind auch die perfekte Gelegenheit, um die Führungskräfte in deinem Unternehmen für ihre Vorbildfunktion in Hinblick auf eure Werte und euer Leitbild zu sensibilisieren.

5)    Mentale Gesundheit zum Fokus machen

Die letzten beiden Maßnahmen spielen hier bereits hinein: Die mentale Gesundheit deiner Kolleg:innen ist ein wichtiger Faktor, auch und vor allem für die Kultur, die in deinem Unternehmen gelebt wird. Mit Programmen zur Verbesserung der mentalen Gesundheit steigerst du nicht nur das Wohlbefinden und die Produktivität. Mögliche Schwerpunkte und Maßnahmen in diesem Bereich könnten sein: Stressmanagement, persönliches Coaching, Austauschgruppen mit Gleichgesinnten, Burn-out-Prävention und Ähnliches. 

Schritt 4 – Messen und Optimieren

Last but not least: Messen nicht vergessen. Überlege dir am besten schon vorab, wie oft du bei den Mitarbeitenden nachfragen willst und welche anderen Möglichkeiten du hast, um deine Kennzahlen zu erheben. Vielleicht nutzt dein Team je bereits eine Plattform wie Likeminded, die Daten, Reports und Insights liefert.

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