Finanzieller Stress: 6 Maßnahmen, um Mitarbeiter:innen zu helfen

11.4.2023

Finanzieller Stress ist zum häufigsten Stressauslöser weltweit geworden. Doch wie erkennt man finanzielle Sorgen und was können Arbeitgeber:innen tun, um Menschen mit Geldsorgen zu helfen?

Likeminded Redaktion

Inhalt

Aktuell kämpfen mehr Menschen denn je mit der allgemeinen und ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation: Die Energiepreise steigen, die Inflation ebenso und immer wieder liest man von Kündigungswellen.

Die Folge ist ein hohes Maß an Unsicherheit unter den Arbeitnehmer:innen, von denen laut einer Studie bereits 2020 mehr als ein Drittel (36 %) in Deutschland von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung lebte. Demnach hatte jeder Dritte bereits vor der aktuellen Inflationswelle kein finanzielles Polster.

Und je größer die finanziellen Sorgen werden, desto gravierender sind ihre Auswirkungen auf den Alltag und die Gesundheit der Menschen. Denn eines ist klar: Geldsorgen machen krank.

  • Finanzieller Stress ist der häufigste Stressauslöser weltweit.
  • 19 % der Deutschen nennen finanzielle Sorgen als Hauptgrund für Stress.
  • 46 % aller Menschen, die Schulden haben, leiden an psychischen Problemen.
  • 86 % der Befragten einer britischen Studie bestätigten, dass sich finanzieller Stress negativ auf ihre psychischen Probleme auswirkt.

Was ist finanzieller Stress?

Vieles in unserem Leben kann Stress verursachen. Für viele findet sich die Ursache für Stress, wie bereits erwähnt, in den Finanzen. Problematisch wird finanzieller Stress, sobald er über alltägliche Geldsorgen hinausgeht und zu einem konstanten Gefühl von Unsicherheit und Angst wird. Wenn wir unter finanziellem Stress leiden, beherrschen uns diese Gefühle im Alltag. Das führt dazu, dass unser Cortisolspiegel konstant zu hoch ist. Die Folge: Wir sind dauergestresst und damit reizbar und rastlos. Echte Entspannung gelingt uns dann kaum mehr. Solch ein chronisches Gefühl von Unsicherheit und Angst hat Auswirkungen auf Körper und Psyche.

Wie hängen finanzielle Sorgen und mentales Wohlbefinden zusammen?

Die zuvor genannten Zahlen und Studienerkenntnisse zeichnen ein klares Bild vom Teufelskreis zwischen finanziellen Sorgen und mentaler Gesundheit. Je mehr Sorgen wir uns machen, desto mehr leidet unsere mentale Gesundheit. Und je mehr unsere mentale Gesundheit leidet, desto mehr Sorgen machen wir uns.

Der Teufelskreis:

> Mentale Gesundheitsprobleme erschweren es, Geld zu verdienen und zu verwalten

> Das kann zu finanziellen Sorgen führen

> Finanzielle Sorgen verursachen Stress und Ängste

> Das kann bestehende Gesundheitsprobleme verschärfen

Warum es sich für Unternehmen auszahlt, etwas für das finanzielle Wohlbefinden zu tun

Einer der stärksten Gründe, der für Unterstützungsmaßnahmen in Sachen finanzielles Wohlbefinden  spricht, ist die Steigerung der Mitarbeiterbindung. PricewaterhouseCoopers fand in einer Umfrage heraus, dass aktuell ein Drittel aller Arbeitnehmer:innen bereits einen Jobwechsel planen. 65 % von ihnen nennen Geld als Hauptgrund für ihren Wunsch zu wechseln. Finanziell gestresste Mitarbeitenden suchen doppelt so häufig nach einem neuen Job als Mitarbeiter:innen, die sich mit ihren Finanzen wohlfühlen.

Unterstützung für mehr finanzielles Wohlbefinden ist laut dieser Umfrage auch ein positiver Faktor im Employer Branding: Mehr als die Hälfte aller Mitarbeitenden – unabhängig davon, ob sie unter finanziellem Stress leiden oder nicht – fühlen sich zu einem Unternehmen, das sich mehr um das finanzielle Wohlbefinden seiner Mitarbeiter:innen kümmert, hingezogen und würden daher einen Wechsel in Betracht ziehen – und das häufig unabhängig vom Gehaltsfaktor.

Aktuell kommt hinzu, dass sich immer mehr Menschen um ihre Finanzen sorgen (müssen). Als Arbeitgeber:innen kommt man um das Thema also kaum mehr herum. Denn der Stress, der dadurch entsteht, schwappt unweigerlich vom Privaten auf das Berufliche über. Zu den häufigsten körperlichen und psychischen Symptomen von Stress zählen:

  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Magenschmerzen und Verdauungsprobleme
  • Reizbarkeit, Aggression, Frustration
  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Niedergeschlagenheit und Traurigkeit

Diese Symptome können sich am Arbeitsplatz zum Beispiel in Form von:

  • weniger Produktivität,
  • geringerer Motivation und
  • einer allgemein schlechteren Stimmung zeigen.

Wollt ihr als Arbeitgeber:in also zufriedene, motivierte und produktive Mitarbeiter:innen, solltet ihr gegen bestehende Stressfaktoren aktiv vorgehen und zusätzliche weitestgehend vermeiden. Und da Finanzen im Moment ein so großer Stressfaktor sind, zahlt es sich aus, aktiv Unterstützung anzubieten.

Wie erkennt man finanziellen Stress bei Mitarbeitenden

Als Unternehmen besteht die erste Herausforderung darin, überhaupt zu erkennen, ob und wenn ja, wie viele Arbeitskräfte bei euch von finanziellem Stress betroffen sind. Die Scham rund um das Thema ist groß und es ist nicht einfach, die Symptome klar mit diesem Problem in Zusammenhang zu bringen.

Umso wichtiger ist es, hinzusehen und hinzuhören. Und nachzufragen: zuallererst bei den Mitarbeitenden selbst. Außerdem sollten sich die Personalabteilung mit den Führungskräften zu diesem Thema regelmäßig austauschen, denn die direkten Vorgesetzten merken in der Regel rascher, wenn etwas nicht stimmt.

Wartet als Unternehmen nicht erst, bis der finanzielle Stress zu mentalen Problemen führt, eure Mitarbeiter:innen um Vorschüsse bitten oder gar Vollzugsbehörden an euch herantreten. Reagiert schon auf erste Anzeichen wie Konzentrationsprobleme oder Reizbarkeit und sucht aktiv das Gespräch.

6 Maßnahmen für mehr finanzielles Wohlbefinden im Unternehmen

Um zu verhindern, dass finanzielle Sorgen zu chronischem Stress führen, könnt Ihr als Unternehmen mehrere Maßnahmen setzen:

  1. Macht finanzielle Sorgen im Unternehmen zum Gesprächsthema:
  • Gestaltet zum Beispiel eine interne Kommunikationskampagne drumherum.
  • Sprecht das Thema in formellen und informellen Meetings regelmäßig an.
  1. Hört aktiv zu:
  • Findet heraus, welche Form der Unterstützung aktuell sinnvoll ist.
  • Macht euer Unternehmen zu einem sicheren Ort, an dem über das mentale Wohlbefinden gesprochen werden kann.
  • Bietet Gespräche mit externen Coaches an, um Betroffenen den Austausch zu erleichtern.
  1. Unterstützt eure Mitarbeitenden mit finanziellen Benefits:
  • Cashback, Stipendien, Mitarbeiterrabatte
  • Unterstützung bei der Erstellung von Finanzierungsplänen zum Beispiel für den Hauskauf oder während der Ausbildung
  • Kostenlose oder geförderte Kinderbetreuungsangebote
  • Alters- und Gesundheitsvorsorge sowie Versicherungsleistungen
  1. Organisiert Workshops und Trainings für die persönliche Finanzplanung:
  •  In Gruppen-Workshops und Austausch-Gruppen lässt sich das Thema finanzieller Stress gemeinsam behandeln und angehen.
  • Webinare geben einen guten ersten Einblick in Themen wie private Budgetplanung, Kreditmanagement und ähnliches.
  • Einzelgespräche mit qualifizierten Coaches und Therapeut:innen können besonders belasteten Menschen maßgeschneiderte Lösungsansätze aufzeigen.
  1. Macht die finanzielle Situation des Unternehmens transparent:
  • Redet darüber, wie es eurem Unternehmen finanziell geht und holt das Thema auch übergeordnet aus der Tabu-Ecke.
  • Organisiert regelmäßig Finanz-Updates für eure Mitarbeitenden und sprecht nicht nur über Erfolge, sondern auch über Herausforderungen.
  1. Der Vollständigkeit halber sei hier auch gesagt: Bezahlt euren Mitarbeiter:innen so viel, dass sie mit ihrem Einkommen ihre Grundbedürfnisse decken können, und bezahlt die Gehälter zeitgerecht aus:
  • Informiert euch über die aktuellen Lebenserhaltungskosten in den Regionen, in denen eure Mitarbeitenden leben.
  • Habt ein offenes Ohr für die individuellen Herausforderungen eurer Mitarbeiter:innen. Selbst wenn eine Gehaltserhöhung aktuell nicht möglich ist, gibt es andere Wege, um eure Unterstützung anzubieten.
  • Sucht auch das Gespräch zu Teilzeitkräften, um herauszufinden, ob deren aktuelles Stunden- und Gehaltsmodell für sie noch passt.

Will man als Unternehmen seine Mitarbeitenden auf dem Weg zu finanziellem Wohlbefinden unterstützen, geht es nicht automatisch um Gehaltserhöhungen. Vielmehr geht es darum, dem Thema Raum zu geben, Hilfe in unterschiedlicher Form anzubieten und dafür zu sorgen, dass diese Hilfe möglichst ohne Scham und Vorbehalte in Anspruch genommen werden kann, damit die betroffenen Mitarbeiter:innen selbst aktiv werden.

Was jede:r Einzelne gegen finanziellen Stress tun kann

Im Sinne der Selbstwirksamkeit ist es wichtig, dass sich Betroffene dem Thema zuwenden und etwas tun, vor allem in Zeiten, in denen die Geldsorgen eher größer als kleiner werden. Hier ein paar Tipps, wie jede und jeder Einzelne finanziellem Stress entgegenwirken kann:

  1. Konzentriere dich auf das, was du hast.
  2. Akzeptiere die Dinge, die du nicht ändern kannst.
  3. Erkenne, benenne und sprich über deine Gefühle, um mit der Unsicherheit rund um finanzielle Sorgen besser umgehen zu können.
  4. Überstürze nichts: Triff eine finanzielle Entscheidung nach der anderen.
  5. Mach deine Ausgaben sichtbar, indem du sie dokumentierst. Dafür gibt es viele kostenlose Apps oder du erstellst ein Excel-Sheet.
  6. Finde heraus, was dich in Sachen Finanzen am meisten stresst.
  7. Beobachte, wie du mit Geldsorgen umgehst, und überlege dir Alternativen.
  8. Vertraue dich anderen Menschen an und hol dir Hilfe bei Expert:innen.

Fazit

Die wirtschaftliche Lage ist angespannt und Energiepreise, Inflation und Kündigungswellen führen zu Unsicherheit bei den Menschen. Beruflich wie privat wirkt sich das oft in mehr Unzufriedenheit und weniger Produktivität aus. Viele Studien zeigen, dass es sich für Unternehmen auszahlt, ihren Mitarbeitenden in dieser schwierigen Zeit – und darüber hinaus – zu unterstützen, um finanziellen Stress und seine negativen Auswirkungen zu minimieren.

Am Ende verbessern Maßnahmen für mehr finanzielles Wohlbefinden die allgemeine mentale Gesundheit eurer Belegschaft und damit die Mitarbeiterbindung, die Mitarbeiterzufriedenheit, euer Employer Branding und mehr.

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